Donnerstag, 20. September 2007

What’s it like to be a German?

Internationale Studenten wurden gesucht, ich hatte mich freiwillig gemeldet. Für was? Keine Ahnung!
Lisa Foster und ein älterer Mann mit Bart leiten einen Kurs über „World Culture and Politics“. Sie haben Menschen aus fremden Ländern eingeladen, damit die erzählen, wie es drüben ist. Neben mir sitzen eine Hong-Kong-Chinesin, eine „normale“ Chinesin, ein Franzose, ein Engländer, eine Haitianerin und ein Libanese.

Wir sollen erzählen, wer wie sind und wie es ist, aus unserem Land zu kommen. Der Libanese erzählt von dem Gemeinsinn, der allen Arabern innewohne, egal woher sie kämen. Die Hong-Kong-Chinesin sieht ihren Widerstand gegen China als gemeinschaftsstiftendes Element. Der Engländer, der Franzose, sie alle sprechen von Dingen, auf die ihre Nation stolz ist und was sie als Nation zusammenhält.

Ich kann mit der Frage nicht viel anfangen. Es ist nichts besonderes, aus Deutschland zu sein. In den Diskussionen in Deutschland sagen schlaue Leute immer, sie seien nicht stolz auf Deutschland (denn das wäre ja nicht ihr Verdienst), aber sie seien froh über Deutschlands Leistungen – wie die Verfassung oder den Rechtsstaat. Das versuche ich nun zu vermitteln. Aber eine Verfassung hat ja schließlich jeder.

Ich kann nichts aufzählen, was „uns“ von „den anderen“ unterscheidet. Hautfarbe? Sprache? Kultur? Wir sind eine Einwanderungsgesellschaft. Ich bin in dieser Runde der „Identitätslose“. Ich suche im Ausland keine anderen Deutschen, ich kann nicht sagen, was (jenseits der bekannten und falschen Klischees) typisch deutsch ist. Eine Studentin fragt mich, ob ich meine Nationalität verheimlichen will. Abgesehen davon, dass das mit diesem Akzent schwer sein dürfte – nein, aber es ist nicht das erste, das ich von mir erzähle. Denn vielleicht ist typisch deutsch, dass Deutschsein keine Rolle spielt. Ich mag, dass „wir“ nicht „wir“ sind.

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