Sonntag, 23. September 2007

Picknick I

Mary Brown hat lange Jahre im International Student Center gearbeitet. Seit sie vor drei Jahren gestorben ist, laden ihr Mann und ihre Söhne jedes Jahr internationale Studenten auf ihre Farm zum Picknick ein.
Laura, mein „Buddy“, hat leider keine Zeit. Sie fährt jedes Wochenende zu ihren Eltern nach Hause und arbeitet da in einem Freizeitpark. Und weil sie im Ruderteam ist, hat sie unter der Woche eigentlich auch keine Zeit. Ich frage Scott, ob er mitkommen will. Ein Tag im Grünen und gratis Essen – da sagt er nicht nein.
Etwa 30 Minuten außerhalb von Charlottesville, inmitten grüner Wiesen, steht die kleine Farm. Sie wird nicht bewirtschaftet. Das Gebäude ist fast 200 Jahre alt und dient den Browns als Sommerferienhaus. Die Gute Nachricht ist: Mary Brown ist eines natürlichen Todes gestorben. Ihre Söhne sind schon erwachsen. Ich hatte etwas Sorge, kleine Jungs zu sehen, die beim Gedächtnis-Picknick für ihre Mutter anfangen zu weinen. Aber die schlechte Nachricht ist: Von den mehr als 100 Leuten, die eingeladen waren, haben nur rund 40 die Einladung angenommen. Einige werden vom Stress wohl aufgefressen, einige sind im Ramadan, ein paar haben wohl auch nicht verstanden, dass extra ein Bus bestellt worden ist. Das ist ein bisschen schade, denn die Browns haben sich ziemlich ins Zeug gelegt. Es ist massig zu Essen da, vor dem Haus stehen große Zelte mit Bänken und Tischen, hinter dem Haus steht eine Gruppe Dixie-Klos. Die kleine Gruppe wirkt etwas verloren auf den langen Bankreihen.

Die Browns-Söhne sind Zwillinge. Das hat mich etwas verwirrt. Der eine (oder war es der andere?) hat eine ziemlich interessante Karriere gehabt: Erst war er in der Friedensbewegung, ist dann nach in Indochina gegangen und hat doch die Geschichte der Region recherchiert. Nach seiner Rückkehr wurde er von einem Kongressabgeordneten abgeheuert, um als Experte für Südasien zu arbeiten. Und jetzt lebt er hier in Charlottesville.

Scott ist zum ersten Mal unter internationalen Studenten – und er ist beeindruckt. Er ist ein bisschen schüchtern und jetzt sprechen ihn wildfremde Leute an und tauschen Telefonnummern aus.

Ich habe ziemlich viel gegessen, zu viel wahrscheinlich. I can not more... Aber weil so viel da ist, müssen wir alle noch was mitnehmen. An mir bleibt eine Wagenrad-große Platte mit Tomaten und Mozarella hängen. In unserer Wohnung will die keiner, also schnappe ich mir am Abend ein paar Pappteller und klopfe an alle Türen im Wohnheim.

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