Montag, 20. August 2007

Kein Schul-Englisch

Es gibt eine sprachliche Besonderheit hier, die mir noch Schwierigkeiten macht. Die Menschen hier sagen nicht „Hello“ oder „Good Morning“, sondern immer „How are you doing?“ Das machen Freunde, die sich treffen, aber genauso die Kassiererin im Supermarkt, der Kellner im Restaurant oder Menschen, denen man im Wohnheim auf der Treppe begegnet. Was soll ich darauf antworten?

Neulich im Supermarkt habe ich es dann so gemacht, wie ich es in der siebten Klasse im Englisch-Unterricht gelernt habe. Als die Kassierein anfängt, meine Einkäufe zu scannen und dabei „How are you doing?“ murmelt, erwidere ich: „Fine, thank you. And you?“ Wir schauten uns einen Moment lang beide verduzt an, sie hörte auf, die Lebensmittel über den Scanner zu schieben, grummelte etwas und machte dann weiter.

Die Amerikaner mögen es wohl nicht, wenn man sie anschaut. Manchmal passiert es aber, da steht zum Beispiel ein Bauarbeiter an der Straßenecke und schaut, als ich vorbeigehe und zurückschaue. Plötzlich nickt er mir zu und fragt „How are you doing?“ Seitdem vermeide ich, Leuten ins Gesicht zu sehen, denen ich nicht erzählen will, wie ich mich gerade fühle.

Heute aber war es echt nicht meine Schuld. Ich hatte mir gerade meinen WLAN-Zugang für die Uni einrichten lassen und gehe mit gesenktem Blick über den Campus, da fragt mich plötzlich ein junger Mann in brauner Kutte: „How are you doing?“ Ich will schon rufen: „I didn’t stare!“, da fängt er ein Gespräch an. Er ist vom Bibelkreis und sie laden Studenten ein, zu ihren montäglichen Bibelstunden zu kommen. Ich winke ab, eher nicht, danke. Er guckt betroffen, es scheint, als zittere seine Unterlippe vor Trauer: „You don’t believe in God?“
Nach 5 Minuten Vortrag darüber, wie wichtig es ist, sich von der Sünde loszusagen, nehme ich seine Visitenkarte. Er lächelt wieder.

Ich habe jetzt übrigens einen todsicheren Plan, wie ich das „How are you doing?“-Problem lösen kann: Ich frage einfach immer zuerst!

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