Es waren dezente Zeichen, die ich nicht zu deuten wusste. Der Parkplatz sollte geräumt werden, hieß es. Die Busse würden nicht fahren, stand an der Haltestelle. Als ich am Morgen vor die Tür gehe, weiß ich warum: Move-In-Day.
Anders als in deutschen Wohnheimen, müssen amerikanische Studenten während der Semesterferien ausziehen. Dann werden sie neu zugeteilt und im Herbst ziehen sie alle am gleichen Tag wieder ein.
Was unglaublich klingt sieht auch unglaublich aus. Kolonnen vollbebackter SUVs schleppen sich die Straße entlang, Stoßstange an Stoßstange, emsig dirigiert von Dutzenden Polizisten. Entlang der Gehsteige entladen dann Väter, Mütter, Geschwister, Großeltern die Fracht, Kisten mit Wäsche, Teppiche, Stereoanlagen, Ventilatoren, Kühlschränke, Fernseher, Küchengeräte...
Es ist der helle Wahnsinn – und die 30°C morgens um 9 tun ihr übriges, um diesen Tag für alle unvergesslich zu machen. Helfer des Student Councils (sie nennen sich heute „Greeter“ oder „Super Greeter“) stellen Wasser bereit, verteilen Pläne und Willkommenspakete.
Es ist total bescheuert, alle an einem Tag einziehen zu lassen – aber ich liebe es!
Für die Mehrheit der Internationals sind – wegen Altersbegrenzung – Clubs und Bars dicht – und so ist unsere einzige Möglichkeit an diesem ersten Abend eine illegale Zimmerparty. Trinken im Beisein von jüngeren ist ebenso verboten wie Trinken bei offenem Fenster. In beiden Fällen, so die Leute von Resident Staff bei der Einführung am Abend, holen sie die Polizei.
Und so ist es wie früher im Schullandheim, wenn beim kleinsten Geräusch vor der Tür, plötzlich alle leise sind und ihr Bier unters Bett stellen. Das ich so was noch erleben darf...
Trotzdem ist unsere Party ein Fehler, denn wir hätten die wirklich wichtige Party fast verpasst. Die Fraternities schmeißen am ersten Abend traditionell Partys, deshalb ist die gesamte Rugby Road an diesem Abend eine einzige Partymeile. Mit ein paar Amerikanern machen wir uns auf den Weg. Doch schon nach dem ersten Haus voller Freibier und betrunkener 19jähriger blasen wir zum Rückzug. Eine unserer Begleiterinnen merkte plötzlich, dass Alkohol doch eine stärkere Wirkung hat, als sie gedacht hatte.
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