Für die erste Woche hatten wir uns einen Wagen gemietet, einen silbernen Pontiac. Den müssen wir nun zurückgeben. Von nun wird alles etwas
komplizierter, das Einkaufen, umziehen, Sightseeing. Wir sind recht zuversichtlich, dass es trotzdem klappen kann. Immerhin hat Charlottesville gleich 3 Bussysteme: eines von der Stadt, eines von der Uni und eine Gratis-Buslinie, die kreuz und quer durch die Stadt fährt. Wenn man einmal verstanden hat, dass nicht alle Haltestellen auf den Karten eingezeichnet sind; dass einige Busse auf einem Rundkurs fahren und nicht auf der gegenüberliegenden Straßenseite halten; und dass es nur bestimmte Punkte gibt, an denen man umsteigen darf, kann man es hier ohne Auto schaffen.
Montag, 13. August 2007
Sonntag, 12. August 2007
Besuch bei Tom
Wir versuchen uns als Touristen und fahren nach Monticello. Auf diesem
Berg südlich von Charlottesville hatte Thomas Jefferson – seines Zeichens dritter Präsident der USA, Autor der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und Gründer der University of Virginia – sein Haus gebaut. Und weil Jefferson ein wichtiger Mann war und Architektur sein großes Hobby, gehört sein Haus zum Weltkulturerbe und ist eine der größten Sehenswürdigkeiten im Staat Virginia.
Interessanterweise ist Jefferson am 4.Juli 1826 gestorben – exakt 50 Jahre nachdem er „seine“ Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet hat. Das nenne ich Timing.
Das Haus auf Monticello ist von weitläufigen Gärten umgeben, in denen Jefferson versuchte, Pflanzen aus aller Welt zu kultivieren. Nicht immer mit Erfolg. Die zahlreichen Versuche, europäische Weinreben anzupflanzen, scheiterten grandios und sind mit e
in Hauptgrund dafür, dass Jefferson am Ende seines Lebens hoch verschuldet war.
Für mich als Europäer absolut unglaublich sind die wunderlichen Tiere inmitten der Blumenbeete, wie zum Beispiel handtellergroße Schmetterlinge und Kolibris. Die kannte ich bislang nur aus dem Fernsehen.
Interessanterweise ist Jefferson am 4.Juli 1826 gestorben – exakt 50 Jahre nachdem er „seine“ Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet hat. Das nenne ich Timing.
Das Haus auf Monticello ist von weitläufigen Gärten umgeben, in denen Jefferson versuchte, Pflanzen aus aller Welt zu kultivieren. Nicht immer mit Erfolg. Die zahlreichen Versuche, europäische Weinreben anzupflanzen, scheiterten grandios und sind mit e
in Hauptgrund dafür, dass Jefferson am Ende seines Lebens hoch verschuldet war.Für mich als Europäer absolut unglaublich sind die wunderlichen Tiere inmitten der Blumenbeete, wie zum Beispiel handtellergroße Schmetterlinge und Kolibris. Die kannte ich bislang nur aus dem Fernsehen.
Freitag, 10. August 2007
Dancing on a Friday Night
„Historic Downtown“ ist eine lange Straße aus rotem Backstein, voller kleiner Läden und italienischen Straßencafés (bzw. wie sich Amerikaner
italienische Straßencafés vorstellen). An jedem Freitagabend im Sommer feiert Charlottesville hier im historischen Stadtzentrum. Im großen Pavillon am Ende der Straße spielt eine Country-Band, Bürgerinitiativen, kleine Händler und der Verein für Nierenspenden haben Stände aufgebaut. Nicht extra für heute errichtet, aber für uns wahrscheinlich die ungewöhnlichste Attraktion hier, ist die lange
Schieferwand. Mitten auf der Straße steht die etwa 2 Meter hohe und rund 10 Meter lange Mauer, die man mit Kreide bemalen kann. Das „Thomas Jefferson Center for the Protection of Free Expression“ hat sie errichtet, damit jeder sein Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnehmen kann. Auch ich sage nicht ohne Stolz: „I was here!“
Von Ferne klingt die Musik über die Wiese. Menschen lachen, es ist angenehm warm. Gegen Ende der ersten Woche sehe ich Charlottesville schon etwas entspannter. Hier ist die Stadt sehr viel sympathischer, als entlang der Ausfallstraße, auf der wir vor vier Tagen angekommen sind.
Auf dem Weg zurück nach Hause kommt es zu einem dramatischen
Zusammenstoß. Offenbar verwirrt von den vielen Menschen und Lichtern trudelt eine Fledermaus direkt auf mich zu und hängt sich an meine Tasche. Heldenhaft starte ich wildes Gezappel und versuche mit ihr über Schallwellen zu kommunizieren. Da ich die Tonhöhe nicht ganz treffe, deuten die Umstehenden dies nur als spitzen Schrei. Die Fledermaus versteht mich trotzdem und lässt sich bereitwillig fotografieren.
Von Ferne klingt die Musik über die Wiese. Menschen lachen, es ist angenehm warm. Gegen Ende der ersten Woche sehe ich Charlottesville schon etwas entspannter. Hier ist die Stadt sehr viel sympathischer, als entlang der Ausfallstraße, auf der wir vor vier Tagen angekommen sind.
Auf dem Weg zurück nach Hause kommt es zu einem dramatischen
Donnerstag, 9. August 2007
Geführte Tour und gute Nachrichten
Meine neues Handy klingelt, es ist Laura. Sie ist eine von über 40 Studenten in Charlottesville, die uns Internationals
helfen wollen. Laura und ihr Freund nehmen mich mit auf eine Stadtrundfahrt. Ob wir in Deutschland auch das Lenkrad auf der linken Seite haben, wollen sie wissen, und wie schnell ich denn schon mal auf einer deutschen Autobahn gefahren bin. 190 Sachen bei Rückenwind und schräg auf den Tacho geschaut. Das beeindruckt sie, dafür beeindrucken sie mich mi
t ihrem Wissen über diese und jene Shopping-Mall. Wir fahren raus in die Wälder zum Stausee. Laura ist im Ruder-Team, hier baut die Uni gerade das neue Clubhaus. Im Schuppen stehen allerhand Boote. Ich muss an den AHS in Dortmund denken. Würden professionelle Ruderboote wohl zur Verbesserung der Studienbedingungen in Dortmund beitragen?
Um 17.26 Uhr bekomme ich eine Mail: Ich habe einen Platz im Wohnheim, ein Einzelzimmer in einer 6er-WG. Wir sind erleichtert.
Um 17.26 Uhr bekomme ich eine Mail: Ich habe einen Platz im Wohnheim, ein Einzelzimmer in einer 6er-WG. Wir sind erleichtert.
Mittwoch, 8. August 2007
Überhebliche Europäer
Der Plan war einfach und nicht genial: Über den Atlantik fliegen, eine Woche im Motel wohnen, Wohnung suchen. Ich hatte zwar gehört, dass in manchen Städten astronomische Mietpreise verlangt werden (New York City, San Diego, Köln...), aber Charlottesville am Fuß der Blue Ridge Mountains zählte ich nicht dazu. Fehler! Zwei Tage Internetsuche, Telefonate und
Wohnungsbesichtigungen zeigen: Es ist nahezu unmöglich, einen Mietvertrag nur für ein Semester zu bekommen, von einem möblierten Zimmer ganz zu schweigen. Und wenn, dann verlangen Vermieter für das Zimmer bis zu $ 650 im Monat. Die Stimmung ist nicht gut. Wir suchen zwar erst zwei Tage, aber uns gehen bereits die Optionen aus.
Große Probleme brauchen große Lösungen. Vicki Hawes ist gestählt von Fastfood und m&m’s und die Koordinatorin für private Wohnungsgesuche an der Uni. Ich bin nicht der erste Europäer, der meinte eine günstige Wohnung finden zu können. Aber ich bin netter als die Schweizerin letzten Monat. Es dauert eine knappe Stunde, in der Vicki auf zwei Telefonen gleichzeitig spricht und Dutzende Mails schreibt, dann bekomme ich einen Antrag auf ein Wohnheimzimmer – und eine 99 prozentige Chance auf ein Zimmer obwohl alle Fristen seit Monaten verstrichen sind. Ein Silberstreif am Horizont. Darauf erst mal ein Snickers!
Ich brauche eine amerikanische Telefonnummer. Nach einigem Fragen lande ich bei AT&T. Der Verkäufer erteilt mir eine Lektion in der Logik einer auf Konsum ausgerichteten Volkswirtschaft: Eine neue SIM-Karte für mein altes, deutsches Handy kostet $ 50. Wenn ich aber ein neues, amerikanisches Handy dazunehme, kriege ich sie für $ 40. Ich verstehe es nicht, aber nehme Tor 2.
Es ist immer noch unerträglich heiß – der Wetterbericht verspricht, dass es täglicher heißer und schwüler werden soll. Ohne Klimaanlage ist es kaum auszuhalten – doch der ständige Wechsel von heiß zu kalt hat ist zu krass. Bei über 40°C habe ich es geschafft, mir eine Erkältung einzufangen.
Große Probleme brauchen große Lösungen. Vicki Hawes ist gestählt von Fastfood und m&m’s und die Koordinatorin für private Wohnungsgesuche an der Uni. Ich bin nicht der erste Europäer, der meinte eine günstige Wohnung finden zu können. Aber ich bin netter als die Schweizerin letzten Monat. Es dauert eine knappe Stunde, in der Vicki auf zwei Telefonen gleichzeitig spricht und Dutzende Mails schreibt, dann bekomme ich einen Antrag auf ein Wohnheimzimmer – und eine 99 prozentige Chance auf ein Zimmer obwohl alle Fristen seit Monaten verstrichen sind. Ein Silberstreif am Horizont. Darauf erst mal ein Snickers!
Ich brauche eine amerikanische Telefonnummer. Nach einigem Fragen lande ich bei AT&T. Der Verkäufer erteilt mir eine Lektion in der Logik einer auf Konsum ausgerichteten Volkswirtschaft: Eine neue SIM-Karte für mein altes, deutsches Handy kostet $ 50. Wenn ich aber ein neues, amerikanisches Handy dazunehme, kriege ich sie für $ 40. Ich verstehe es nicht, aber nehme Tor 2.
Es ist immer noch unerträglich heiß – der Wetterbericht verspricht, dass es täglicher heißer und schwüler werden soll. Ohne Klimaanlage ist es kaum auszuhalten – doch der ständige Wechsel von heiß zu kalt hat ist zu krass. Bei über 40°C habe ich es geschafft, mir eine Erkältung einzufangen.
Montag, 6. August 2007
Now it goes loose!
Die Reise beginnt noch vor dem Morgengrauen. Um 5 Uhr schreit der Wecker. Warum nur müssen Flugreisen immer so früh
sein?
Delta Airlines soll mich von Düsseldorf über Atlanta nach Charlottesville bringen. Mit dabei ist meine Schwester Catharina. Sie begleitet mich ein paar Wochen, um ein Praktikum dort zu machen. Das Personal beim Check-In ist unfreundlich. Eine
Delta Airlines soll mich von Düsseldorf über Atlanta nach Charlottesville bringen. Mit dabei ist meine Schwester Catharina. Sie begleitet mich ein paar Wochen, um ein Praktikum dort zu machen. Das Personal beim Check-In ist unfreundlich. Eine
blondierte Frau mit spitz geschminktem Mund fragt uns unmögliche
Dinge: „Wo haben Sie den Koffer gepackt? Haben Sie in die ganze Zeit beaufsichtigt?, Haben die Zeug von anderen Menschen da drin?“ Fängt man so Terroristen?
9 Stunden dauert der Flug nach Atlanta. Das Flugzeug ist alt, die Stewardessen auch. Der Pilot nimmt alles sehr locker, wünscht uns einen „good damned morning“ und stockt kurz, als er nachsehen muss, von welchem Flughafen er gerade startet.
Ich mache ein Foto von uns beiden, danach wird es mir verboten. Ich bin verschreckt.

In Atlanta riecht es komisch, so ein bisschen nach einem, der die Nacht über in einer Pommesbude geschlafen hat. Kann aber auch sein, dass das an uns liegt. Wir saßen in der letzten Reihe, direkt vor der Küche.
In einem winzigen Flugzeug geht es weiter nach Charlottesville. Beim Anflug ein erster Blick auf die Gegend: waldbedeckte Hügel, dazwischen einzelne Villen mit Pool und Tennisplatz. Auf dem Flughafen wird schnell deutlich: Alles dreht sich hier um die Universität. Die blauen Fahnen mit dem orangen „V“ hängen überall an den Wänden. Jedes Motel behauptet von sich, in der Nähe der Uni zu liegen. Kunststück, wenn die ein Viertel der Stadt ausmacht.

Mit dem Mietwagen fahren wir in die Stadt. Automatik-Getriebe sind gewöhnungsbedürftig. Das „Budget Inn“ wird unsere Bleibe bis Freitag. Es gibt Frühstück und gratis Internetzugang.
Amerika, ich bin da.
9 Stunden dauert der Flug nach Atlanta. Das Flugzeug ist alt, die Stewardessen auch. Der Pilot nimmt alles sehr locker, wünscht uns einen „good damned morning“ und stockt kurz, als er nachsehen muss, von welchem Flughafen er gerade startet.
Ich mache ein Foto von uns beiden, danach wird es mir verboten. Ich bin verschreckt.
In Atlanta riecht es komisch, so ein bisschen nach einem, der die Nacht über in einer Pommesbude geschlafen hat. Kann aber auch sein, dass das an uns liegt. Wir saßen in der letzten Reihe, direkt vor der Küche.
In einem winzigen Flugzeug geht es weiter nach Charlottesville. Beim Anflug ein erster Blick auf die Gegend: waldbedeckte Hügel, dazwischen einzelne Villen mit Pool und Tennisplatz. Auf dem Flughafen wird schnell deutlich: Alles dreht sich hier um die Universität. Die blauen Fahnen mit dem orangen „V“ hängen überall an den Wänden. Jedes Motel behauptet von sich, in der Nähe der Uni zu liegen. Kunststück, wenn die ein Viertel der Stadt ausmacht.
Mit dem Mietwagen fahren wir in die Stadt. Automatik-Getriebe sind gewöhnungsbedürftig. Das „Budget Inn“ wird unsere Bleibe bis Freitag. Es gibt Frühstück und gratis Internetzugang.
Amerika, ich bin da.
Freitag, 27. Juli 2007
Abschiedsparty
Was für eine Überraschung! Meine Schwester Catharina hatte mich angerufen und unter einem Vorwand aus der Wohnung gelockt. Während ich mit ihr und meiner Freundin Ursula unterwegs war, hatten meine anderen beiden Schwestern Carolin und Constanze und jede Menge meiner besten Freunde die Wohnung besetzt. Als ich gegen 21 Uhr die Wohnung aufschloss, wunderte ich mich noch, warum es im Wohnungsflur so dunkel war. Als dann fast zwei Dutzend dunkler Gestalten "Überraschung!!" riefen, schrie ich laut auf und warf die Tür wieder ins Schloss. Wenn das Gangster gewesen wären, hätte ich vorbildlich reagiert - nur rufen Gangster nicht "Überraschung"...
Es wurde ein "amerikanischer Abend": Unsere Wohnung war mit Amerika-Fahnen geschmückt, es gab Burger - und ein Abschiedsgeschenk. Alle hatten Fotos gesammelt, die sie an mich oder mich an sie erinnern. Darunter auch Bilder von der Uni, aus Dortmund,
meiner alten Schule in Bochum, einer alten unbekannten Frau, sowie den Bürgermeistern von Siegen in Südwestfalen und Ignalina in Ost-Litauen.
Aus über 2.000 Einzelbildern wurde dann ein großes Bild zusammengesetzt, das mich - bei was wohl? - beim Filmen zeigt. Das hat mich sehr gefreut.
Weitere Fotos vom Abend gibt es hier:
Aus über 2.000 Einzelbildern wurde dann ein großes Bild zusammengesetzt, das mich - bei was wohl? - beim Filmen zeigt. Das hat mich sehr gefreut.
Weitere Fotos vom Abend gibt es hier:
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